Sommer 2009


Impressionen unserer Sommertour 2009:
Bildergalerie


Bayreuth, EDQD – Ostende/Brügge, EBOS – Cambridge, EGSC – Swansea, EGFH – Jersey, EGJJ – Brest, LFRB – St. Nazaire, LFRZ – Dijon, LFSD – Colmar, LFGA – Bayreuth, EDQD

Mit einer „Zwangsjacke“ verpasste uns Eurocontrol einen gewaltigen Flug-Umweg mit der D-GHAN von Bayreuth nach Ostende/Brügge. Dass auch die Kleinen aufgrund der hohen AVGAS-Preise wirtschaftlich fliegen möchten und auch müssen, wird scheinbar ignoriert. Dazu kam noch, dass der Wettergott nichts Gutes für unseren Abflugtag, den 08.07.2009, versprach. Ab Warburg VOR begrüßten uns Blitz und Donner mit Vereisung. Die freundlichen Controller gaben uns allerdings sofort zum Descent auf FL 80 frei, wo die Partenavia teilweise dem Eis entrinnen konnte. Die Front mit Starkregen hielt aber die Maschine bis zur Landung in Ostende im Wetter-Wirrwarr gefangen. Sogar die Airliner baten um Ausweichrouten.
Mit Stadtbus, ICE, Taxi und natürlich dem Regenschirm bewaffnet, ergatterten wir noch ein Hotelzimmer in der Altstadt von Brügge, der Hauptstadt Flanderns.

Die mittelalterliche Stadt mit ihren Kanälen und Grachten lässt Romantik aufkommen und verdient auch den Namen „Schmuckkästchen Belgiens“. Der Grote Markt mit seinen wunderschönen gotischen Häusern, das Rathaus, der Glockenturm aus dem 12. Jahrhundert, die alten Stadtmauern, Windmühlen und noch so vieles mehr sind sehenswert. Natürlich kann man den Flair des Ortes auf einer Fahrt mit einer der vielen Pferdekutschen auf sich wirken lassen.

Zwei Tage später waren wir bereits über dem Ärmelkanal nach England unterwegs. Schon von weitem begrüßte uns das Königreich mit seinen bis 106 m hohen Kreidefelsen, den Klippen von Dover, immer wieder ein prachtvoller Anblick im glitzernden Sonnenschein sofern nicht britisches Schmuddelwetter herrscht. Ein paar Meilen weiter flogen wir über Canterbury mit seiner berühmten Kathedrale und der fast 3000-jährigen Geschichte. Die Stadt in der Grafschaft Kent ist Sitz des Erzbischofs und Sitz der anglikanischen Kirche Englands.



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Eine Stunde und neun Minuten dauerte der Flug von Ostende nach Cambridge, dem Hauptziel unserer Englandreise. Von hier aus wollten wir nach Duxford und uns die Airshow 2009 der Flying Legends und das Imperial War Museum anschauen. An sich war geplant gewesen direkt nach Duxford zu fliegen und dort unter den Tragflächen zu zelten wie es in Tannkosh üblich ist. Leider erhielten wir hierzu eine Absage. So flogen wir gleich nach Cambridge, weil nur dort Quartiere zu bekommen waren. Wir waren darüber nicht traurig, weil wir von unserem Freund Andy Hopper, auch ein Earthrounder, im Corpus Christi College, wo er als Professor tätig ist, ein Appartement für 3 Nächte in den altehrwürdigen Mauern kostenlos zur Verfügung gestellt bekamen. Dieses College wurde 1352 erbaut und ist eines von 31 Universitäten in Cambridge. Wer hier studiert, braucht dazu das nötige Kleingeld der Eltern. Die Stadt ist durch die vielen alten Gebäude sehr sehenswert und man begegnete Studentinnen und Studenten aus aller Herren Länder. Wir waren zum zweiten Mal hier und genossen trotzdem alles wieder in vollen Zügen. Sehr empfehlenswert ist eine Bootsfahrt auf dem River Cam, weil von der Wasserseite die Colleges besser zu betrachten sind.

Ein kostenloser Shuttlebus brachte uns nach Duxford, wo schon Menschenmassen vor dem Eingang anstanden. Mit einem Meer von Schirmen ausgerüstet, weil es stark nieselte, strömten die Besucher ins Freigelände. Wer keinen Regenschirm hatte, ging erstmal in die einzelnen Museumhangars. Der Beginn der Airshow war für 14.00 Uhr anberaumt.

Der Augenschmaus auf die Warbirds begann. Sie standen in zwei langen Reihen Schulter an Schulter und sollten bei den Vorführungen alle zum Einsatz kommen. An einigen Maschinen wurde noch eifrig geschraubt während man andere auf Hochglanz polierte.

Prachtvoll anzuschauen waren die Lancaster und B17 Fortesse, Wuchtbrummer mit ihren 4 Motoren, die beim Anlassen nur so donnerten. Daneben posierten gleich die B 25 Mitchell mit ihren tollen Zeichnungen und die Dakota. Teilweise waren die Besatzungen in ihren alten khakifarbenen Uniformen bei den Fliegern. Um bei den North American zu bleiben, die P 51 Mustang mit den V-Triebwerken durfte nicht fehlen. Gleich zu Hauf waren die eleganten Spitfires aufgereiht, das bekannteste und schnellste Jagdflugzeug der RAF im 2. Weltkrieg.

Die Liste lässt sich um viele weitere Warbirds erweitern, wie Hawker Hurricanes, Chipmunk und die Yak Fighters der Russen sowie auch die Fokker Wulf 190 aus dem 3. Reich. Natürlich warteten noch viele andere Raritäten am Boden auf die Zuschauer, um sich später auch in der Luft zu zeigen.



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Noch hatten wir viel Zeit bis zum frühen Nachmittag. So machten wir alle Hangars und Hallen des Imperial War Museums unsicher bis wir alles in uns eingesaugt hatten. Interessant war dabei auch Hangar 2, wo historische Flugzeuge für spätere Flüge restauriert werden. Auch die Concorde durfte in einer der Hallen nicht fehlen. Wenn ein Bomber zu groß ist, wie der gigantische B52 mit seinen 8 Triebwerken, der durch den Abwurf der ersten Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki traurige Berühmtheit erlangte, wird einfach ein Hangar rund herum gebaut und mit allerlei möglichen Aircrafts vollgestopft. Was nicht auf Parterre Platz hat, wird in der riesigen Halle aufgehängt.

Ob in den USA oder Großbritannien und auch anderswo, wir konnten uns nicht des Eindrucks verwehren, als wenn Krieg- und (Luft-)-Schlachten die schönsten Zeiten im Leben von einigen Menschen und Ländern sind. So glorreich wird alles dargestellt und aufgezeigt.

Jetzt ging es los! Die ersten Motoren heulten auf. Es ging ein Ruck durch die Besuchermasse. Sehr viele saßen schon seit Stunden auf ihren mitgebrachten Stühlen und Hockern in der ersten Reihe entlang der Absperrungen, um alles genau erleben zu können, ob mit Feldstecher oder Kamera. Eine Formation nach der anderen rollte an den Start. Lauthals brüllten die Motoren auf. Es war ein Ohren- und Augenschmaus, als sich die Teams, jeder einzelne versetzt oder gleichzeitig in die Lüfte abhoben. Die Figuren der Staffeln waren atemberaubend. Vor den Köpfen der Zuschauer lief alles ab, ob mit oder ohne farbige Rauchfahnen, zusammen steil in den Himmel steigend, um im nächsten Augenblick in alle Himmelsrichtungen auseinander zu fallen und geballt um Zentimeter versetzt punktgleich wieder aufeinander zu zu jagen. Einzelne Piloten zeigten Luftakrobatik vom Feinsten. Es war so faszinierend, dass die Zeit stehen blieb und doch wie im Fluge verging. Ständig wechselten die Teams mit ihren Kampfmaschinen. Es erfolgte kein Stillstand. Waren die einen in der Luft, folgten die nächsten mit Take-off, um sofort für die Landung Beton- und Graspiste wieder frei zu machen. Die JU 52 der Lufthansastiftung mit den drei sonor brummenden Sternmotoren nutzte auch gleich ihre Chance. Die Sonne kam durch ein Wolkenloch und das Wellblech erstrahlte silbern im Licht. Nach nur ein paar Metern hatte sie schon abgehoben.

Eine Rarität am Himmel ist die Fokker Dr. 1. Dieser wendige Dreidecker wurde im 1. Weltkrieg als Jagdflugzeug konzipiert. Zwischen all den Speed-War-Klassikern, die im Tiefflug über die Piste fegten oder sich am Wolkenrand tummelten und immer wieder zu Formationen mit eingeübten Figuren zusammenfanden, sah man still und leise in einer Ecke nicht größer als ein Sandkasten für Kleinkinder 2 Piper Cubs ihre beeindruckenden Pirouetten drehen. Bevor alle an der Airshow beteiligten Flugzeuge im Finale diszipliniert zusammen an den begeisterten Anhängern solcher Spektakel vorbeiflogen, zeigte sich noch ein Highlight, wie wir es gerne betiteln: „Rasenmäher der Lüfte“, die Blériot, ein ehrwürdiges, fliegendes Geschöpf. Als erster Mensch überquerte Blériot mit dieser Maschine am 25. Juli 1909 den Ärmelkanal von Calais nach Dover in 37 Minuten. Zur Erinnerung an diese Pionierleistung wurde dieser Flug zum 100. Geburtstag nochmals am 25.07.2009 wiederholt.



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Durch unsere eigenen weltweiten Flüge in alle Erdteile bekommen wir sehr viele Anfragen wegen Tipps und Ratschlägen von anderen Piloten, die auch fliegerisch größere Projekte vorhaben. So trafen wir uns am Rande der Airshow mit Peter und seiner Frau Sue aus England. Peter bereitet mit seiner Beech Baron einen 360 vor.

Einmal in England, sollte man noch ein wenig bleiben, wenn es die Zeit erlaubt. Diesmal flogen wir nach Swansea, EGFH, einen kleinen Platz in Wales. Für 5 Tage wurde ein Auto angemietet und kreuz und quer durch die herrliche Natur gefahren. Hauptziel waren dabei im Voraus ausgewählte historische Castles und Palaces in Südwales. Dem Zufall überlassend wurde am Ende einer Tagestour immer eine Bleibe für die Nacht gesucht. Es waren touristisch sehr aufwändig renovierte Bauten dabei, wie Castle Caerndydd (in walisisch Canllaw Ymwelwyr) in Cardiff, wobei auch die Stadt selbst einen Bummel wert ist. Dagegen ist Castle Carreg Cennen nur noch eine Ruine, hoch oben auf einem Berg thronend, die schwer zu finden war. In der weitläufigen fast unberührten Natur waren wir ganz alleine. Darunter waren trotzige Festungen und Burgen, uneinnehmbar. Die 12 Besichtigungen von Ost nach West in Wales waren eindrucksvoll und die mit Geschichte beladenen Erinnerungen nahmen wir mit nach Hause. Was wir aber nicht mitnehmen wollten, war das auf dieser Tour erlebte und auch erwartete typische Wetter: Mehr Regen als Sonnenschein.

Unproblematisch und schnurgerade ging der Flug in die Jersey Zone. VFR ist es möglich aus jeder Himmelsrichtung kommend dort als Special VFR einzufliegen, wenn ein VFR- oder IFR-Waypoint im Flugplan angegeben wird. Mit Radar gelenkt in 2000 ft überquerten wir Guernsey und mussten uns dann für die Landung in Jersey anstellen, denn wir waren Nummer 8 im Anflug zwischen Großen und Kleinen. Ob Radarlotse, Approach oder Tower, alle waren professionell und freundlich, trotz des starken Verkehrs. Ein besonderes Lob zollt dem Aero Club Jersey, der sich sofort um ein B&B sowie einen Leihwagen für uns kümmerte. Den Rest des Tages war Ausruhen angesagt, weil es in Strömen regnete und jede Aktivität damit ausgeschlossen war. Am nächsten Tag bei Sonnenschein fuhren wir zuerst in die Inselhauptstadt Saint Helier. Der Yachthafen und die lange Fußgängerzone lassen sich sehen, aber wir müssen zugeben, dass die Werbehochglanzbroschüren doch wieder einmal übertreiben. Sehr schön ist Gronville in der Ostecke der Insel mit dem Mont Orgueil Castle. Auch findet der Besucher überall noch Bunker aus dem 2. Weltkrieg, die von den Deutschen besetzt waren. Lustig anzusehen sind durch den Tidenhub bedingt die vielen Boote, die auf dem Trockenen sitzen. Jersey ist so klein, dass es mit dem Auto an einem Tag zwei Mal abgefahren werden kann. So entschlossen wir uns kurzfristig den sehr sehenswerten zoologischen Garten zu besuchen. Durch das sehr günstige Klima sind unter anderem viele Lemuren aus Madagaskar zu sehen. Fazit: Uns gefällt Jersey besser als Guernsey und ist jederzeit eine Flugreise wert zumal das Avgas pro Liter ca. € 1,35 kostet und sich damit ein Umweg lohnt.



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Warum haben wir uns auf dem Weiterflug wettermäßig die schlechteste Ecke Europas ausgesucht? Antwort, weil in unserem B&B kein Internetanschluss vorhanden war und der Blick aus dem Fenster genügte. Nur durch die Zusicherung, ein IFR-Rating zu besitzen, ließ der Tower von Brest die Partenavia landen. Hier hatten wir deutsche Sender im Fernsehen und mussten anschauen, welche Unwetter über ganz Europa wüteten. Der Wettergott hatte weiter kein Erbarmen mit uns und so fiel uns nichts Besseres ein, als uns mit dem Taxi ins Océanopolis chauffieren zu lassen. Das war keine gute Idee, denn bei dem Sauwetter war das Aquarium mit Urlaubern überfüllt. Für unseren Geschmack zu kitschig aufgezogen, gab es daher die Note 5, weil es weltweit bessere Einrichtungen gibt. Fast schon jeder Tierpark zeigt mitunter phantastische Aquarien und Tiere. Besser gefiel uns dann das nächst Ziel, das Chateau prefecture maritim am Atlantik, das das Marinemuseum beherbergt und fast menschenleer war. Jene schöne Festung in der Normandie mit Blick über Brest und den gesamten Hafen sowie vielen Marinekreuzern war wirklich einen Besuch wert gewesen. Hier befindet sich das Hauptquartier der gesamten französischen Atlantik-Flotte. Die Stadt selber hat nicht viel zu bieten.

Wir wollten weiter und so schlichen wir uns über Grund nach St. Nazaire, wo wir über Nacht bleiben wollten. Hier checkten wir im Aero Club nochmals das Wetter. Laut Wetteraufzeichnung zeigte sich auf dem Flugweg nach Dijon besseres Wetter. Also hopps gleich wieder ins Flugzeug rein und ab nach Dijon, wo wir 2 Nächte blieben. In den Reiseführern mit 2 Sternen gekennzeichnet, stimmten wir dem Stadtbild und seinen Sehenswürdigkeiten zu. Auf dem Weg nach Hause legten wir noch einen nicht vorgeplanten Stopp in Colmar ein, nachdem wir nicht über Nacht in St. Nazaire an der Loire-Mündung geblieben waren.

Bei einer früheren Tour durch die Vogesen mit dem Auto hatten wir schon Colmar besucht gehabt und kannten die Stadt schon etwas. Von Süden kommend ist „Klein Venedig“ der erste Anziehungspunkt. Viele Dinge gibt es zu sehen, die das Auge erfreuen: mit Blumen geschmückte alte Fachwerkhäuser, dahin schwimmende Kähne auf dem Kanal, mit Blumenschmuck dekorierte Gassen und kleine Boutiquen, die hübsche handgefertigte Besonderheiten anbieten, den Fischerstaden, den Schwendi Brunnen sowie die Dominikaner Kirche. Auch kulinarisch bieten die einladenden und lauschigen Wirtshäuser mit der elsässischen Küche so manches „Schmankerl“. Wir blieben noch einen Tag länger, um zum Abschluss richtig genießen und relaxen zu können bevor es nach Bayreuth zurück ging und zudem versprach das Wetter für diesen Tag in Deutschland, Sonntag, den 26.07.2009, Sonnenschein, was dann auch stimmte.

Fazit: Es war eine 19-tägige entspannende und gemütliche Flugtour mit nur 15:03 Stunden und insgesamt zurückgelegten 1740 NM. Das Fliegen in England und Frankreich ist easy. In England muss der Pilot bereit sein zwischendurch aus Wettergründen sehr tief zu fliegen. Durch die vielen militärischen Tieffluggebiete in Frankreich dauert das Ausknobeln des Routings und der zu fliegenden Höhe etwas länger. Dadurch kommt man allerdings ohne Funk aus und muss nicht ständig auf der Infofrequenz nach aktivierten Gebieten nachfragen.



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Ralf & Marga Hannemann, 2011